Verfasst von von Heike Barnitzke: am 25. Mai 2008 - 11:41.

Film

700. "Tatort: Todesstrafe": Gähnende Langeweile in Leipzig

 Der Team-Wechsel geht weiter. Im "Tatort: Todesstrafe" übernehmen Simone Thomalla als Eva Saalfeld und Martin Wuttke als Andreas Keppler die Ermittlungen in Leipzig.

Wäre er einer dieser allwöchentlichen "Tatorte", könnte man bei diesem Fall um einen angeblichen Kinderschänder noch Gnade walten lassen. Als Jubiläums-Ausgabe enttäuscht "Todesstrafe" auf ganzer Linie: Ein Fall ohne jegliche Spannung und zwei spröde Ermittler, die blass bleiben. Und den lokalen Bezug sucht man auch vergeblich. Schade.

Nicht, dass wir nach dem Weggang der alten Ossi-Haudegen Sodann und Lade weiterhin diese Super Illu-Stimmung à la "Ach ja, früher" hätten. Der Leipziger "Tatort" hatte eine Verjüngung dringend nötig.

Aber diese beiden? Klar, dass Eva Saalfeld und Andreas Keppler einmal verheiratet waren. Drei Jahre dauerte die turbulente Ehe, dann verschwand der Gatte nach Berlin. Nun kehrt Keppler – kleiner Jubiläums-Gag: mit dem Taxi – zurück zu Eva Saalfeld, die die ganze Zeit die Stellung gehalten hatte. So weit so gut. Man kabbelt sich, aber die Saalfeld ist der mütterliche Typ, der um die exzentrischen Macken ihres Ex und Neu-Kollegen weiß und sie nachsichtig betrachtet.

Mag Keppler auch der Typ genialischer Ermittler sein, der stundenrund schweigsam über Blutflecken brütet, soviel Exzentrik muss gar nicht sein, um den reichlich verschwurbelten Fall um den toten Betreiber eines Jugendzentrums, den alle Nachbarn für den seit langem gesuchten Kinderschänder von Leipzig halten, zu lösen. Die Premiere wirkt halbherzig gestrickt und dramaturgisch arg in die Länge gezogen. Zum Einschlafen.

Hoffen wir auf die nächste Ausgabe. Denn mit Simone Thomalla und Martin Wuttke wurden zwei interessante Darsteller besetzt: Die eine gebürtige Leipzigerin, heute Lebensgefährtin von Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer (genau: "Nur gucken, nicht anfassen") und in Gelsenkirchen ansässig. Der andere stammt aus Gelsenkirchen, arbeitete am Berliner Ensemble wie an der Volksbühne: Der exzellente Bühnendarsteller wird inzwischen fast als Ossi gehandelt. Da geht also noch einiges. Vielleicht schaffen es zukünftige Ausgaben, wenigstens aus dieser Konstellation Kapital zu schlagen. Und dann bitte auch gleich an Lokalkolorit denken!

Drehbuch: Andreas Schlüter und Mario Giordano. Regie: Patrick Winczewski. Darsteller: Maxim Mehmet, André Röhner, Swetlana Schönfeld, Julia Richter, Roman Knizka, Gitta Schweighöfer u.a.

 



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