Geheime Treffen, tote Briefkästen, diskrete Aktenkoffer - das Leben von Spionen und Agenten, die zwischen den Welten leben und der stets drohenden Gefahr der Enttarnung trotzen, fasziniert. Die dreiteilige Reihe "Top Secret", die heute Nacht im Ersten zur Geisterstunde startet, erzählt die Geschichte der Spionage – von der legendären Spionin Mata Hari über Top-Agentin Ruth Werner, "Romeo"-Opfer Margret Höke bis zur weltumspannenden Abhöranlage Echolon.
Die letzten 100 Jahre boten viele Möglichkeiten, das diskrete Geschäft der Informationsübermittlung zu perfektionieren: Zwei Weltkriege, ein jahrzehntelanger Kalter Krieg zwischen zwei Machtblöcken und nun die Globalisierung der Wirtschaft. Geheimhaltung wurde zur Überlebenssache; Wissen über den Gegner bedeutete einen Vorsprung. Die Macher der TV-Reihe "Top Secret" widmen sich in drei Folgen den großen Namen der Schlapphut-Zunft, lassen Ex-Spione und Nachrichtendienstler aus Deutschland, Russland, Frankreich, Großbritannien und den USA zu Wort kommen und haben zahlreiche historische Aufnahmen zusammen gestellt.
Wer sonst? Den Anfang macht Mata Hari, geborene Margarete Gertrude Zelle, die als erotische Tänzerin der europäischen Polit- und Royal-Prominenz einheizte und sich während des Ersten Weltkriegs als Doppelagentin anheuern ließ. 1917 wurde sie hingerichtet. Was sie bewog, mitten im Krieg ein derart gefährliches Spiel zu wagen, ist nie hinreichend geklärt worden.
Einen völlig neuen Agententyp brachten die Verbreitung des Kommunismus und der Zweite Weltkrieg hervor: den politischen Überzeugungstäter. Die erfolgreichsten Agenten des russischen Nachrichtendienstes GRU z.B. waren Richard Sorge, der getarnt als Journalist in der deutschen Botschaft in Tokio ein- und ausging und seine Erkenntnisse nach Wladiwostok funkte, und Ruth Werner, die aus London über Kontakte zu "Atomspion" Klaus Fuchs entscheidend dazu beitrug, dass die erste sowjetische Atombombe Jahre früher gezündet werden konnte. Die Lebensgeschichten allein dieser drei wären einen ganzen Film wert gewesen.
Weiterer Tummelplatz für Agenten alle Couleur: Berlin und später das geteilte Deutschland. In Interviews erzählen z.B. Markus Wolf, Leiter der HVA, und seine Gegenspieler beim BND, die früheren Chefs Heribert Hellenbroich und Hans-Georg Wieck teils triumphierend, teils humorig vom schwierigen Agentenalltag zwischen Ost und West und dem Nerven zermürbenden Problem, dass es für ihre Mitarbeiter jederzeit möglich war, von Ost- nach Westdeutschland zu gehen, andersherum aber nicht.
Neue Techniken haben das Feld der Spionage seit dem Ende des Kalten Krieges komplett verändert. Per Satellit und Abhöranlagen ist die ganze Welt transparent geworden. Ein unerlässliches und wirkungsvolles Instrument gegen Terroristen, aber auch eine Möglichkeit, verbündete Nationen wie auch konkurrierende Firmen und Entwickler auszuhorchen.
Dass allerdings auch die beste Späh-Technik keine Menschen ersetzen kann, zeigt das Beispiel einer ostfriesischen Windenergie-Firma. Die wollte mit ihren selbst entwickelten Anlagen auf den US-amerikanischen Markt expandieren und bekam im Gegenzug Abmahnungen wegen Patentverletzungen. Wie die US-Konkurrenz an die Pläne kam? Ganz einfach: Ein paar freundliche Männer hatten sich auf dem platten Lande Zugang zu einer Anlage verschafft und einfach viele Fotos gemacht.
Teil 2: "Agenten im Kalten Krieg", 10. Oktober, 23:30 Uhr
Teil 3: "Die globale Herausforderung", 11. Oktober, 0:00 Uhr

