Verfasst von von Heike Barnitzke: am 16. Dezember 2007 - 15:26.

Doku

Die Geburt der Rückkopplung: "Monks – The Transatlantic Feedback" bei 3sat

Es waren einmal 5 GIs, die während ihrer Militärzeit in Deutschland eine Band gründeten und danach im Lande hängenblieben. Doch erst die Begegnung mit zwei deutschen Künstlern machte aus einer durchschnittlichen Beat-Kapelle die Konzept-Band Monks, radikal, laut, minimalistisch und 1966 ein Schlag ins Gesicht. Acht Jahre bastelten und drehten Dietmar Post und Lucia Palacios an ihrer preisgekrönten Popgeschichts-Doku über die Anti-Beatles. "Monks – The Transatlantic Feedback" ist heute Abend bei 3sat um 21:15 Uhr zu sehen.

1961 kamen Gary Burger, Larry Clark, Dave Day, Roger Johnston und Eddie Shaw wie Hunderttausend andere US-Soldaten nach Deutschland. Vom Militär hatten sie schnell die Nase voll, aber es gab die Möglichkeit, Musik zu machen, denn mehr war in der Coleman Kaserne im kleinen Gelnhausen sowieso nicht los. 1964 wurden die fünf entlassen und tingelten als Cover-Band The Torquays weiter durch Deutschland, froh, dass ihnen endlich die Haare über die Ohren wachsen und sie Party machen durften. Zur gleichen Zeit schmiedeten die beiden Künstler Karl Heinz Remy und Walther Niemann Pläne zu einer Konzept-Band, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, und übernahmen 1965 das Management der fünf, die als Monks den Musikbetrieb aufmischen sollten.

Das Konzept, säuberlich auf Handzetteln verteilt, war radikal: "In Mönchskutte gegen den Großmutterstil der Beatles". Strenges Äußeres, Tonsur (die die Musiker selbst nicht so witzig fanden), schwarze Kleidung mit Galgenstrick statt Krawatte, furchterregender Blick und ausschließlich eigene Songs. Die besonders hatten es in sich, wie der Toningenieur Gerd Henjes, der die erste LP "Black Monk Time" auf Band bannen sollte, sich im Interview erinnert: Wo andere Bands ordentlich ihre Parts bei Bass, Schlagzeug, Gitarre herunter spielten, bauten die Monks eine gewaltige Mauer aus Lärm, Orgelkaskaden und Banjo-Geschrammel und bellten ihre dadaistischen Anti-Texte einfach in den Raum. Aus "I wanna hold your hand" machten sie "I wanna f**k your hand" oder – im Titelsong "Black Monk Time" – " I hate you with a passion, baby, but call me!"

Dass dieses Konzept nur zwei Jahre hielt und weder Musikern noch Management finanzielle Erfolge bescherte, zeigt der zutiefst verstörende Auftritt der Monks im Beat Club aus dem Jahre 1966, also zu einer Zeit, als Moderatoren wie Uschi Nerke noch von "Interpreten" und "Schlagern" sprachen (siehe Filmchen). Dass die Monks heute als Vorreiter für praktisch alles Schräge und Avantgardistische herhalten müssen, vom Krautrock, Punk über Heavy Metal bis Techno, sollte auch noch erwähnt werden.

Für ihre Doku haben es Dietmar Post und Lucia Palacios geschafft, alle Protagonisten dreißig Jahre später ausfindig zu machen und zusammen zu trommeln. Aus den schwarz gewandeten Rebellen sind nach vielen persönlichen Pleiten nette und witzige ältere Herren geworden, die stundenlang über die beste Zeit ihres Lebens reden, aber immer noch nicht fassen können, was damals eigentlich passiert ist. Acht Jahre dauerten die Arbeiten für die Doku, und da zwischendurch das Geld ausging, wurde einfach eine Tribute-CD aufgelegt: Für "Silver Monk Time" steuerten Bands wie The Fall, Mouse on Mars, die Goldenen Zitronen Neu- und Coverversionen bei.

"Monks – The Transatlantic Feedback" endet übrigens mit einem Reunion-Auftritt der Monks 1999 in New York. Und erstaunlich: Der war alles andere als peinlich!

Monks: Auftritt im Beat Club Oktober 1966



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