Verfasst von von Heike Barnitzke: am 24. März 2008 - 22:59.

Doku

"Patti Smith – Dream of Life": Doku über die Urmutter des Punk

Als Patti Smith "Dream of Life" im Winter bei der Berlinale vorstellte, merkte sie vor der Aufführung nur kurz an: "Jetzt könnten wir eigentlich alle nach Hause gehen". Morgen Abend wäre das ein guter Rat: arte zeigt den Dokumentarfilm über die "Godmother of Punk" spät um 23:00 Uhr als TV-Premiere.

Ein Konzert war es, das den New Yorker Modefotografen Steven Sebring derart beeindruckte, dass er darum bat, Patti Smith eine Weile mit der Kamera begleiten zu dürfen.

Was als Experiment begann, Sebring hatte keine Ahnung von der Filmerei, wurde zum Langzeit-Projekt. Elf Jahre lang begleitete Sebring die Frau mit dem Männerjackett auf ihren Wegen und filmte alles ab, was ihm vor die Linse kam, backstage, zuhause, in Hotels, auf der Bühne.

Heraus kam ein Film, der meistens seltsam und über Strecken ein bisschen anstrengend ist. Viele Szenen, backstage, daheim oder bei Spaziergängen auf Friedhöfen (!) hätten sich super in einem schicken Bildband gemacht, schwarzweiß-künstlerisch eben. So hat der Film einige Längen, trotz der Auftritte alter Weggefährten wie Sam Shephard oder Lenny Kaye, und wirkt arg manieristisch. Dass die Künstlerin alles ausschließlich selbst kommentiert, trägt auch nicht unbedingt zur Spannung bei.

Solche Längen werden wettgemacht durch ganz besondere Passagen, die ein ganz anderes Licht auf Patti Smith werfen. Wer hätte gedacht, dass sie Eltern hat? Doch, sie hat, und der Besuch im Elternhaus gehört zu den wirklich erstaunlichen Momenten: Da steht Vati im T-Shirt im Garten, Mutti staubt den Nippes ab, und dann gibt es ganz bürgerlich Kaffee und Kuchen. Auch Patti Smith als Erziehungsberechtigte mit ihren Kindern zu sehen, die immer in der Nähe sind, ist rührend – und zeigt vor allem, dasss Steven Sebring eben auch nur ein Fan ist.

Bevor das allzu peinlich werden konnte, hat Seven Sebring einige ungeschnittene "spoken word performances" von Patti Smith eingebaut, die sie bei diversen Auftritten und Kundgebungen zeigen: "Gesprochenes Dynamit", wie ein Rezensent schrieb, wie etwa ihre wütende Inszenierung der Präambel zur Unabhängigkeitserklärung, bei der man eine Ahnung bekommt, was Patti Smith, die Ende des Jahres 62 wird, ausmacht, was sie zur Urmutter des Punks qualifizierte. Dies sind die wirklichen Highlights des Films.

"Dream of Life" lief sowohl bei der Berlinale als auch beim Sundance Film Festival und ist am Dienstag Abend bei arte um 23:00 zu sehen.



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