
Alle, die sich um Fußball und die ganze EM-Hysterie keinen Deut scheren, können einem fast leid tun. Fast, denn ProSieben hat für die Zeit der Fußball-Party ein sehenswertes Alternativ-Schmankerl parat: die pompöse Showtime-Produktion "Die Tudors" mit Jonathan Rhys-Meyers als knackigem Heinrich VIII. im Michael Wentworth-Look und einem Plot mit ausreichend nackter Haut, roher Gewalt und feinen politischen Intrigen. Heute Abend geht das Spektakel los: 20:15 Uhr.
Frischer Wind im englischen Königshaus. Ein junger Kerl mit Waschbrettbauch, unstillbarem Hunger auf Hofdamen, voller Ehrgeiz und Sehnsucht nach Ruhm sitzt auf dem Thron. Der erklärte Lieblingsfeind von Heinrich VIII.: die Franzosen, besonders deren intriganter König. Und dem erklärt er schon in den ersten sieben Minuten der ersten Folge den Krieg, verkündet seinen gespreizten Ratgebern, er ginge dann jetzt spielen, reißt sich die Krone vom Kopf und legt eine der Ladies seiner Gattin flach.
Aber auch ein mächtiger Herrscher hat so seine Probleme: Heinrichs spanische Gattin Katharina von Aragon (Maria Doyle Kennedy) hat schon viele Falten, ist außerdem strenggläubig und offenbar nicht in der Lage, einen männlichen Erben zu produzieren. Der Herzog von Buckingham (Steven Waddington) ist scharf auf den englischen Thron und schmiedet Mordpläne. Und Kardinal Wolsey (ein bisschen bösartig: Sam Neill), engster Berater des Königs neben dem sanften Philosophen Thomas More (Jeremy Northam), zieht alle Register, um mit Hilfe komplizierter europäischen Friedenspläne bald in den Vatikan zu wechseln.
Der König selbst verbringt seine Zeit mit den Damen, und wenn die mal nicht verfügbar sind, damit, sein Gefolge im Tennis und bei Reiterspielen zu schlagen. Noch ist wenig zu sehen von dem Mann, der später ein paar seiner Gattinnen eiskalt hinrichten lassen, in England eine neue Kirche begründen und – geht man nach den bekannten Bildnissen – ein fetter, chronisch kranker Wüstling mit Mundgeruch, Gicht und Diabetes werden wird, also.
Statt dessen schöne Menschen wie Anne Boleyn, die dank Darstellerin Natalie Dormer auch als Soap-Star durchgehen könnte, eine Ausstattung, die ein Vermögen gekostet haben muss, und prächtige Kostüme, die der Miniserie prompt einen Emmy beschert haben. Trotz aller US-typischen Glätte bietet "Die Tudors" mächtig Spannung, denn der unbedarfte Heinrich VIII. wird im Laufe der turbulenten Ereignisse zu einem wütenden jungen Mann, der sich im Dickicht seiner Berater und deren Pläne verheddert und seine Großmachtspläne immer wieder vereitelt sieht.
Für diese sehenswerte Auferstehung des 16. Jahrhunderts war Autor und Produzent Michael Hirst verantwortlich, der sich mit historischen Stoffen gut auskennt. Unter anderem schrieb er das Drehbuch zum Kinofilm "Elizabeth I.", die Tochter von Heinrich VIII. spielte Cate Blanchett. Die erste Staffel von "Die Tudors", vom Bezahlsender Showtime erst als Miniserie geplant, kam bei Kritikern und Zuschauern so gut an, dass inzwischen eine dritte Staffel in der Mache ist.
Wem trotzdem die EM erst einmal näher ist, könnte ja den Rekorder entstauben und "Die Tudors" für lange Herbstabende sichern. Jeweils 20:15 Uhr an den nächsten vier Samstagen.
Hier der US-Promotrailer zu "The Tudors"

