Verfasst von von Thomas Meins: am 8. November 2009 - 20:33.

Film

Der ARD-Film "Romy": Hochglanz und Wahrhaftigkeit

"Romy" ist kein schlechter Film, er ist nur nicht das, was er sein könnte  – eine Auseinandersetzung mit dem Mythos Romy Schneider. Die ARD-Eventproduktion bietet gepflegte Unterhaltung auf hohem Niveau. Gute Darsteller, eine aufwendige Produktion, sorgfältig recherchierte Fakten – aber neue Einsichten  zum Thema Romy Schneider sucht man vergebens.

Jessica Schwarz als La Schneider ist hinreißend, Thomas Kretschmann überzeugt als abgehalfterter Künstler und Ehetyrann Harry Meyen, Guillaume Delorme macht eine frappierend hübsche Figur als Alain Delon. Die Bilder, an Originalschauplätzen gedreht, haben Glamour, das Erzähltempo ist, bei 42 Lebensjahren, die in 105 Minuten untergebracht werden mussten, zügig.

Wer aber glaubt, "Romy" bringt uns den Weltstar näher, erklärt irgendwie die glänzenden Höhen und tragischen Tiefgen im faszinierenden Leben der Schneider, wird enttäuscht. Vielleicht liegts daran, dass Regisseur Torsten C. Fischer, wie er selbst zugibt, das Genre Biopic nicht besonders mag. Vielleicht liegts daran, dass zu lange an zu vielen Drehbuchentwürfen (10 waren es insgesamt) herumgedoktert wurde oder dass die Produzenten zu viel Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte nehmen mussten: "Romy" hat keine Perspektive auf sein Objekt, "Romy" ist eine wohlfeile Verbeugung, eine Hommage an einen Filmstar, ein hübsch bebilderter Streifzug durch die bekannten Stationen einer einzigartigen Karriere. Das hätte wohl auch eine Doku leisten können.

Die Macher haben sich "Wahrhaftigkeit" auf die Fahne geschrieben, man wollte "bei den Fakten bleiben". Dazu wurden Filmszenen der Schneider nachgestellt, Super-8-Sequenzen in Schwarzweiß nach Bildvorlagen gestaltet, um die private Romy nachzuempfinden und dergleichen mehr. Leider bleibt diese Ansammlung bekannter Motive, so "auhentisch" sie auch sein mag, an der Oberfläche. Der Film hat nur wenige Momente, die wirklich verblüffen, wie die Theaterprobe der Schneider unter der Regie des großen Visconti – großes Kino für wenige Augenblicke. Aber über weite Strecken ist der Film sehr beschäftigt damit, sich an einer Haltung vorbeizumogeln. 27 Jahre nach dem Tod des Stars muss der Abstand doch groß genug sein, einen nüchternen, klaren Blick auf die Diva zu werfen – ohne bloß mit pseudodokumentarischen Material die Zuschauer schwindlig zu amüsieren.

"Romy" ist ein Hochglanzprodukt ohne Ecken und Kanten, lecker gemacht, aber im Abgang etwas fade. Schade. Mehr über Romy Schneider als "Romy" verraten noch immer ihre besten Werke aus den 70ern, wie "Nachtblende" von Zulawski oder der Sautet-Film "Eine einfache Geschichte".

Mit Jessica Schwarz, Thomas Kretschmann, Guillaume Delorme, Maresa Hörbiger, Heinz Hoenig; Buch: Benedikt Röskau; Regie: Torsten C. Fischer

Der ARD-Trailer zu "Romy"



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