Verfasst von von Thomas Meins: am 18. August 2007 - 16:22.

Personalities

Herr Schmidt wird 50 – und alle schreiben über ihn. Sogar Oliver Pocher

Heute feiert Harald Schmidt seinen 50. Geburtstag. Die Gazetten sind voll des Lobes über den "Chefzyniker des deutschen Fernsehens", geradezu aus dem Häuschen sind sie über den aushäusigen Jubilar. Eine kleine Presseschau der Lobeshymnen.

Harald Schmidt hat, wie so oft, wieder einmal recht. Die Feiern und Festreden zu seinem 50. Geburtstag tut er sich nicht an. Statt sich die Hand schütteln zu lassen, weilt Schmidt zu seinem Jubiläum im Urlaub. So muss er sich nicht anhören, was über ihn und seine Verdienste gedichtet wird. Ihm würden die Ohren klingeln.

Carsten Rave (in der Netzeitung) kennt die Vorzüge des Entertainers ganz genau – und entwirft doch ein etwas begrenztes Porträt: "Im Gegensatz zu manchen Berufskollegen verfügt der mehrfach Ausgezeichnete (unter anderem Deutscher Fernsehpreis, Grimme-Preis, Goldene Kamera und Preis der beleidigten Zuschauer) über ein profundes Wissen und über einen Witz, mit dem er bis an die Grenzen geht, sie aber nicht überschreitet."

Die Welt lässt den Meister selbst zu Wort kommen, um seinen Humor zu erklären: "Schmidts Humor funktioniert, weil das Land so humorlos ist: 'Wir brauchen das Unerfreuliche, wir brauchen die schlechte Laune, wir brauchen die Ausraster, wenn uns jemand den Parkplatz wegnimmt. Auf dieser Basis entstand bei uns Weltliteratur', erklärt Schmidt. Und auf dieser Basis funktioniert sein gnadenloser Zynismus."

Der geschwätzige Franz Josef Wagner findet in der Bild ein geradezu lachhaftes Bild von der Wirkung, welche die Schmidtschen Zoten auf den Kolumnisten hatten: "Lieber Harald Schmidt, wollen Sie wissen, wie ich über Sie lachte? Es war das Lachen eines freigelassenen Luftballons. Es war das Lachen eines Rebellen, das Lachen eines Menschen ohne Angst. All diese Auseinandersetzungen (zwischen Schmidt und Wagner über eine sehr treffende Wagner-Parodie Schmidts) halten mich nicht davon ab, Sie als größten, wunderbarsten, tollsten, begabtesten, mit den herausragendsten Qualitäten ausgestatteten Humoristen Deutschlands zu ehren."

Die Süddeutsche lässt den künftigen Schmidt-Mitarbeiter Oliver Pocher dem König ans Zepter pinkeln, um den Jubilar zu ehren. Sehr rätselhaft und ziemlich verkrampft, was der Komiker über seinen Neu-Chef absondert: "Aber was schreibt einer wie ich einem wie Dir zum Geburtstag, wenn nicht etwas Kritisches? Ich sag's mal so: Hätte Prince Charles seiner Mutter rechtzeitig ans Zepter gepinkelt, wäre er heute sehr wahrscheinlich König. Du verstehst, wo ich hinwill? Wobei Du für mich weniger Königin Elizabeth bist als vielmehr Kaiser Franz. Beckenbauer hat die WM nach Deutschland geholt, Du die Late Night. Nur: Am Ende steht Ihr beide neben Waldemar Hartmann. Klingelt's jetzt?"

Wenns auch bei Pocher nicht klingelt, der Spiegel-Wortklingler Reinhard Mohr erhebt Schmidt dafür zu einem Geist: Harald Schmidt sei "kein Protz und kein Spießer, weder politischer Überzeugungstäter noch Unterhaltungsfuzzy mit eingebautem Witzigkeitszwang. Stattdessen ein Geist der spöttischen Bejahung, der auch Nein sagen kann, ohne gleich hinzufügen zu müssen: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders! Er konnte und kann immer auch ganz anders und bleibt gerade deshalb unverwechselbar. Ein Luftgeist aus Deutschland."

Ganz irdisch (und mit dem gebotenem kritischem Abstand) nennt Dieter Bartetzko in der FAZ den Entertainer einen Klassenclown, dessen Masche nun ausgeleiert sei: "Harald Schmidt, den sogar die Regenbogenpresse längst liebevoll den 'Chefzyniker des deutschen Fernsehens' nennt, ist einem Millionenpublikum gewesen, was vor hundert Jahren Karl Kraus der Wiener und Berliner Hautevolee war – eine Mischung aus Prophet, Klassenclown, notorischem Spielverderber und pathologischem Nörgler, den man, je dreister seine Späße werden und je hartnäckiger er einem die Leviten liest, umso mehr bewundert."

Wir halten uns da statt viele Worte zu machen lieber an eine alte Hollywood-Regel: Du bis nur so gut wie dein letzter Film. Und Schmidts letzter "Film" war nicht gut, das Publikum wollte seinen Late-Night-Talk zuletzt nicht mehr sehen. Deswegen gibt es die "Harald Schmidt Show" auch nicht mehr. Sondern ab dem 25. Oktober "Schmidt & Pocher". Wenn die neue ARD-Show nur halb so gut wird, wie der Chefzyniker des Fernsehens laut Lobreden immer noch ist, müsste man sich keine Sorgen machen. Machen wir aber.


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