Ein tödlicher Unfall hat weit reichende Folgen. Zurück bleiben zwei Männer, die bisher nichts voneinander gewusst haben. Götz George und Burghart Klaußner in einem eindringlichen Drama um Liebe, Hass, Freundschaft und Vergebung. Heute Abend auf arte, 20:40 Uhr.
Es ist der 1. November. Pfarrersgattin Lena (Barbara Auer) verabschiedet sich wie jedes Jahr für einen ganzen Monat von ihrem Mann, um ihre Freundin in der Toskana zu besuchen, wie sie sagt. Noch am gleichen Tag bekommt ihr Mann Hermann (Burghart Klaußner) Besuch von der Polizei. Lena ist bei einem Busunfall ums Leben gekommen – doch warum bei Bremen, wo sie doch in den Süden wollte?
Als bald darauf in der Kondolenzpost auch noch eine Karte Lenas aus der Toskana liegt, folgt der trauernde Witwer den Spuren ihres Doppellebens – und findet auf Sylt des Rätsels Lösung. Dort lebt Lenas "Novembermann", der blinde Fotograf Henry Lichtfeld (Götz George), der Mann, den Lena seit zehn Jahren besucht. Der weiß jedoch nichts vom Tod seiner großen Liebe und wird mit jedem Tag verunsicherter, denn der Monat mit ihr ist sein Lebenselixier. Hermann schleicht sich als "Bauknecht" in das Leben des Rivalen, der allein in den Dünen lebt, und lässt ihn lange im Unklaren, weidet sich an Henrys Verzweiflung und genießt das Gefühl der Macht. Und trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine seltsame Freundschaft.
Regisseur Jobst Oetzmann und Autor Magnus Vattrodt schrieben "Der Novembermann" 2004 zuerst als Hörspiel. Das ist noch ein wenig zu merken, denn das Insel-Kammerspiel lebt vorwiegend vom Dialog, vom Tonfall, von Anspielungen. Brillant gibt Burghart Klaußner den betrogenen Ehemann, hin- und hergerissen zwischen Mordlust, sadistischen Anwandlungen und panischer Angst. Die Galavorstellung ist jedoch Götz George vorbehalten. Er bespielt die ganze Bühne als lebenshungriger und zynischer Bauchmensch, der immer hart am Rande des Selbstmords balanciert – und trägt mitunter, George-typisch eben, viel zu dick auf.
Auch wenn "Der Novembermann" ein Film über Abschied, Verlust und Sehnsucht ist und daher gar nicht zur Jahreszeit passt – reinschauen lohnt sich unbedingt. Die ARD zeigt die arte/WDR-Koproduktion an einem passenderen Sendeplatz, nämlich am 7. November.
Update 17. September 2007: Die Ausstrahlung in der ARD wird nicht am 7.11. sein, sondern bleibt vorerst offen.

