Verfasst von von Thomas Meins: am 14. Februar 2010 - 20:53.

Film

Der Sat.1-Film "Der Einsturz – Die Wahrheit ist tödlich"

Der Sat.1-Krimi (16.2., 20.15) beginnt mit einem großen Knall: In der bayerischen Provinz bricht eine Eissporthalle zusammen. Erst rieseln Betonbrocken von der Decke, dann kracht die ganze Tribüne aufs Eis. Zurück bleiben Tote und Verletzte – und ein aalglatter Bürgermeister, der vor den rauchenden Trümmern rückhaltlose Aufklärung verspricht.

Die Parallelen zum Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall mit 15 Toten im Januar 2006 sind offensichtlich. Bis heute sind die gerichtlichen Untersuchungen zu dem Unglück nicht abgeschlossen, ist die Schuldfrage nicht restlos geklärt, schieben sich die Beteiligten die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe. Ein Fall, der sich bestens als Ausgangslage für einen spannenden Krimi eignet. Blöd nur, dass die Parallelen zwischen realem Unglück und TV-Fiktion schon gleich nach der spektakulären Anfangsszene des Films enden. Denn dem Einsturzgetöse folgt ein Übermaß an Gefühl und weiblicher Intuition.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Staatsanwältin Andrea Fichtner, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um ihrem Vater zu helfen, der als Bauherr der Halle für das Unglück verantwortlich gemacht wird. Fichtner senior wird wenig später mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden – die Polizei glaubt an Selbstmord, Andrea nicht. Die forsche Juristin ermittelt auf eigene Faust. Auf Kosten der Spannung tut sie das vor allem in eigener Sache und weniger in Richtung Halleneinsturz.

In weit ausholenden Rückblenden und Dialogen erfahren wir fast alles über Andreas Jugend und ihre alte Clique, ihr gestörtes Verhältnis zum Vater, ihre große Liebe und die ganze reizende Dorfsippschaft vergangener Tage. Die Aufklärung des kleinstädtischen Korruptionssumpfes, der letztlich zur Katastrophe führte, verkommt dabei zur Nebensache. Als frauenaffines Melodram mit tougher Heldin (überzeugend: Julia Koschitz) funktioniert "Der Einsturz – Die Wahrheit ist tödlich" leidlich gut. Wer sich aber vom Titel irre leiten lässt und die packende Aufarbeitung eines Skandals erwartet, wird enttäuscht. Thema verfehlt, als Krimi eine Fehlkonstruktion, gute Nebendarsteller wie Axel Milberg und Roman Knizka werden verschenkt.

Mit
Julia Koschitz, Axel Milberg, Klaus Manchen, Roman Knizka, Rudolf W. Brem, Loretta Stern, Johann von Bülow; Regie: Diethard Küster

Foto: © Christian Hartmann/Sat.1



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