Sie haben es getan: Der Mann der wenigen Worte und die Frau, die pausenlos redet, haben sich das Ja-Wort gegeben. Sebastian Kamps hat seine Gülcan Karahanci geheiratet, live und in Farbe vor den Kameras von ProSieben – langweiliger Schlusspunkt der zwei Monate langen Dokusoap "Gülcans Traumhochzeit".Der Aufwand, den ProSieben für die "erste Live-Hochzeit im TV" trieb, stimmte – vordergründig: vierspännige Brautkutsche, schwere Limousinen, Bodyguards, Reporter, Kameras, ein Gala-Hotel am Strand, das glitzerte wie eine ganze Einkaufspassage zu Weihnachten – so heiraten Royals. Oder wenigstens echte Promis. Mit Glanz und Glamour. Wenn aber Sebastian seine Gülcan heiratet, glänzt höchstens die Stirn des Bräutigams...
ProSieben hat es tatsächlich geschafft das große Kitsch-Finale von "Gülcans Traumhochzeit" genauso schlaff und geschwätzig zu inszenieren wie die sieben vorhergehenden Folgen der Promi-Soap. Endlose Rückblenden auf die bekannten Hochzeitsvorbereitungen, eine kichernde Braut, die kilometerweit durch leere Straßen kutschiert wird, ein paar Schaulustige, die sich vorm roten Teppich verlieren und ein Bräutigam, dem "der Arsch auf Grundeis geht". Das sind nicht die feinen Zutaten einer glanzvollen Promi-Hochzeit.
Überhaupt Promis: Die waren bei der "Traumhochzeit" Mangelware. Die namhaften Gäste waren an einer Hand abzuzählen: RTL-Reporter Kai Ebel, Ex-Moderator Mola Adebisi und Sängerin Lucy waren da, das wars. Den Überraschungsgast spielte Partytier Scooter, Hollywoodstar David Hasselhoff war immerhin eingeladen, aber leider verhindert. Und Papa Kamps sollte trotz Absage doch noch erscheinen, kam aber nicht. Dürftiger noch als das Regionalliga-Aufgebot an sogenannten Promis vor den Kameras waren allerdings die Darsteller hinter der Kamera.
Der schwer tuntige Kommentator und "Promi-Experte" Torgen Schneider hatte kaum mehr als die drei Worte "toll", "wunderschön" oder – maximale Steigerung – "wunderbar" parat, um das Treiben in Travemünde zu beschreiben. Aber das spottete ohnehin beinahe jeder Beschreibung. Weil es wenig zu beschreiben gab.
Moderator Steven Gätjen schlug sich tapfer, konnte dem Gipfeltreffen der Society-Langweiler aber auch keine Glanzlichter aufsetzen. ProSieben-"Weddingplaner" Frank durfte ausgiebig von den Hochzeiten anderer Promis schwärmen, Reporterin Natascha verhaspelte sich ein ums andere Mal. Nichtmal die Regie war immer auf der Höhe des flachen Geschehens: "Wo ist Gülcan?", rief der Moderator hilfesuchend nach den richtigen Bildern, die aus dem Ü-Wagen aber nicht geliefert wurden.
Sebastian Kamps hat seinen Einsatz übrigens nicht verpatzt. Der Millionenerbe brachte tatsächlich laut und deutlich die folgenschweren Worte "Ja, ich will" über Lippen. Endlich. Wir haben das zweifelhafte "Traumhochzeit"-Vergnügen nun hinter uns. Für Sebastian Kamps fängt der Ernst des Lebens jetzt erst richtig an.

