Am 5. Januar zeigt ProSieben mit "Gonger" das erste Mystery-Movie aus eigener Produktion. Eine norddeutsche Legende über Ermordete, die als Untote zurückkehren, um Rache zu nehmen, diente als Vorlage für einen blutleeren Mummenschanz, vor dem sich niemand fürchten muss.
Nach vielen mehr oder weniger erfolgreichen US-Mysteryserien serviert ProSieben seinem Publikum mit "Gonger – Das Böse vergisst nie" zur Abwechslung eine Geistergeschichte made in Germany. Schauplatz: ein friesischer Landstrich an der Nordseeküste. Dorthin kehrt der seit seinem achten Lebensjahr verwaiste Phillip zurück, um die geerbte Villa seines Großvaters zu verkaufen. Kaum taucht der Mittzwanziger in seinem Heimatdorf auf, gibt's den ersten Toten – ertrunken, obwohl der Mann an Land starb. Das führt Phillip und seine etwas einfältigen Jugendfreunde auf die Spur einer alten Legende: Demnach kehrt ein im Watt ermordeter Mensch nach zwei Generationen als "Gonger" zurück, um die Enkel seiner Mörder heimzusuchen…
Eine etwas krude Story, aber das ist nicht das Hauptproblem des ProSieben- Mystery-Movies. Gern würde man über die Ungereimtheiten des Plots hinwegsehen, wenn der Film seine Geschichte nicht so bierernst nehmen und mit mehr Spannung daherkommen würde. Stattdessen gibt's braves Grusel-Kintopp: Ein dem Meer entstiegener Knabe tapert in Zeitlupe durchs Dorf und bringt, man weiß nicht recht wie, einige Bewohner um die Ecke. Das ist nicht gruselig, sondern eher niedlich. Wer hat schon Angst vor so einem kleinen Mann? Ironie, Witz, Suspense sucht man in "Gonger" vergeblich. Versteht sich, dass man in einer TV-Produktion wie dieser auch keine aufregenden Spezialeffekte oder flotten Actionszenen erwarten darf. Genau das hätte der drögen Legende etwas Leben eingehaucht. Unterm Strich bleibt's mir ein Rätsel, warum sich ProSieben an einem Genrefilm versucht, ohne die dafür erforderlichen Mittel (Ideen und Geld) einzusetzen. Das etwas kindische Drehbuch dürfte auch Schuld an den wenig überzeugenden Bemühungen der Schauspieler sein – die können es nämlich sonst besser.
Die Atmosphäre allerdings stimmt: Der Hauptschauplatz, die Villa, ist ein düsteres neo-gothisches Gemäuer, die Nebel wallen stilgerecht, die karge Deichlandschaft gibt eine schöne Kulisse ab. Aber das war's auch schon fast: Angst und Schrecken verbreitet der Widergänger aus dem Watt nicht.
Mit Sebastian Ströbel, Teresa Weißbach, Bela B. Felsenheimer, Manuel Cortez, Daniel Zillmann. Regie: Christian Theede
Der Trailer zu "Gonger – Das Böse vergisst nie"

