Wieder einmal soll es Alexandra Neldel richten. Als Juristin Dr. Anna Winter ermittelt sie gemeinsam mit einem Ex-Cop (Clemens Schick) und einem unterbeschäftigten Krebsforscher (Erhan Emre) in Sachen Justizirrtum. Auch wenn das Endprodukt eher durchwachsen daherkommt, reinschauen lohnt sich. Die mit Spannung erwartete Produktion "Unschuldig" startet am Mittwoch, 23. April, bei ProSieben.
Dr. Anna Winter ist Spezialanwältin für die Wiederaufnahme von alten Fällen. Gemeinhin nennt man ihren Erfolg hinterher Justizirrtum. Aber ganz ehrlich, nach Ansicht der ersten beiden Folgen "Hauptgewinn Tod" (morgen, mit Klaus J. Behrendt) und "Machtspiele" (nächsten Mittwoch, mit Iris Böhm) muss die deutsche Polizei ziemlich dämlich sein – von den Vertretern der Justiz ganz zu schweigen. Nichts Neues also in der deutschen Serienlandschaft.
Die Fälle knallen ordentlich: In der Premiere geht es um Gutmenschen, furchtlose Journalisten und tote Kinder in Afrika, in der zweiten Episode um eine angesehene Richterin, die nach Feierabend als Domina arbeitete und in dieser Eigenschaft einen Freund/Kunden strangulierte. Das gibt wunderbar verruchte Schauplätze, die ebenso schillernd glänzen wie die Postkartenbilder aus der kühlen Metropole Berlin, die ständig durchgeschnitten sind.
Womit wir so schnell bereits beim Thema – ja, genau! – "CSI" wären: Wer mag, kann ausrechnen, wie viel Zeit in einer Episode für den Mann im Laborantenkittel zwischen Hightech-Geräten, untermalt von fetziger Musik, reserviert wurde. Im Vergleich zu "CSI" bleibt noch mächtig Luft nach oben, aber gut geklaut ist eben auch nur geklaut.
Zu den Charakteren, neudeutsch: Figuren: Ex-Polizist Marco, beeindruckend gespielt von Clemens Schick, gibt den bösen Bullen, der sich auch im fiesesten Milieu wie ein Fisch im Wasser bewegt. Sein Hang zu gefährlichen Aktionen, Motorrädern und Frauen erklärt sich dadurch, dass er an einer Herzkrankheit leidet und eigentlich schon seit Jahren tot sein müsste. Der bereits erwähnte Mann im Laborkittel heißt Sebastian und wird von Erhan Emre dargestellt. Der Krebsforscher kann einfach alles: DNA-Analysen vornehmen, Fasern und Pollen auswerten, Schussbahnen rekonstruieren, die komplizierteste Autoelektronik auseinander nehmen und Frauen verstehen. Seine Macke? Schlaflosigkeit, ist ja mittlerweile in Mode gekommen.
Und last but not least: Chefin Dr. Anna Winter, verkörpert von Alexandra Neldel. Top-Juristin, aufrechter Gang und große ernste Augen, also furchtlos und mitfühlend. Dass sie (in den ersten beiden Folgen) nie lacht, könnte damit zu tun haben, dass sich ihr Vater umgebracht hat, nachdem man ihn fälschlich des Mordes bezichtigte, und sie seitdem einsam zwischen Umzugskartons im ultramodernen Elternhaus aus Glas und Beton haust. Aber vielleicht lacht sie einfach nie, weil so viel Unglück auf ihren Schultern lastet. Ganz klar: Alexandra Neldel hat Glück, dass sie zwei schauspielerisch versierte Kollegen an ihrer Seite hat.
Produziert wurde "Unschuldig" von der TV-Schmiede Teamworx ("Dresden", "Sturmflut"), das bedeutet gemeinhin Hochglanz: Optisch macht "Unschuldig" eine Menge her. Die 12 Episoden schrieb ein Team unter Headwriter Frank Weiß. Es bleibt abzuwarten, ob man sich außer bei der erwähnten Folge "Machtspiele" auch bei weiteren Folgen nicht so recht zwischen den kühlen Fakten von "CSI" und der gediegenen Gefühlsduselei à la "Der Alte" entscheiden konnte.
Durchwachsenes Fazit also: Mit "Unschuldig" bekommt man befriedigende Serienunterhaltung, unübersehbar geklaut, aber immerhin aufwendig umgesetzt. Man muss es nicht gesehen haben, aber diese Krimi-Stunde wäre auch keine Verschwendung von Lebenszeit. Los geht es morgen Abend um 20:15 Uhr bei ProSieben. Die Münchener versprechen sich viel von der neuen Produktion mit Top-Gesicht Alexandra Neldel: Die jeweils aktuelle Folge ist eine Woche lang online kostenlos abrufbar.

