Nationaler Taumel? Riesenvorfreude auf den deutschen Vertreter beim Eurovision Song Contest im Mai in Oslo? Auch beim gestrigen Halfbinale von Stefan Raabs Casting "Unser Star für Oslo" bei ProSieben war davon wenig bis gar nichts zu merken. Die Kandidaten sind gesittete und gefestigte junge Menschen, und die Jury hatte auch wenig bis gar nichts zu meckern. Ergebnis des Abends: Jennifer Braun rockte die Halle. Und Lena Meyer-Landrut konnte auch eine erbärmliche Version von The Cures "The Lovecats" nicht stoppen. Beide stehen im Finale, zu sehen am Freitag in der ARD.
In zwei Runden wurde das Feld von vier Kandidaten auf zwei runtergewählt. Das hat für Prosieben natürlich den geldwerten Vorteil, dass die Zuschauer gleich zweimal die Gelegenheit nutzen würden, anzurufen. Es machte die Show auch ein wenig spannender als die vorherigen und lockerte den ansonsten bei Castingshows immer gleichen Ablauf auf.
Jan Delay darf zukünftig häufiger in Jurys herumsitzen: Selten so viel Erfrischendes und derart konkrete Kritik gehört. Er hasse Alanis Morrisette und Leute, die den Text zu sehr betonen – an die Adresse von Kerstin Freking, die die erste Runde mit ihrer Interpretation von "Hands Clean" nicht überlebte. Er vermisse die gewisse "crazy-ness" – an die Adresse von Jennifer Braun, die Gossip vortrug. "Zu früh eingestiegen" – an die Adresse von Christian Durstewitz, der trotz Mundharmonika-Einsatz am Ende ausschied.
Keinen Grund fand die Jury, an Top-Favoritin Lena Meyer-Landrut zu mäkeln. Stefan Raab bemühte Tiervergleiche ("Chamäleon, Gazelle, Nachtigall"), Jan Delay fand alles "krass", und Barbara Schöneberger lobte ihr Talent, sich zu inszenieren. Dass sie niemand davon abhielt, in der zweiten Runde "The Lovecats" von The Cure zu singen und an der Exzentrik des Stücks zu scheitern, fand keiner bemerkenswert.
Am Freitag wird im Finale nicht nur die deutsche Vertreterin für Oslo ausgewählt. Auch der Song wird aus drei Vorschlägen ausgesucht. Das ist in anderen Teilnehmerländern übrigens schon länger Usus. Wir sind gespannt. Also vormerken: Freitag, 20.15 Uhr im Ersten.
(Foto: ProSiebenSat.1)

